Die Geschichte unserer Partnerstadt: Von der Steinzeit bis Asterix

In der Umgebung von Les Clayes wurden Steinwerkzeuge gefunden, die auf 5000 bis 2500 vor Christus datiert werden. Da in dieser Epoche die ersten Formen der Viehwirtschaft und des Ackerbaus auftraten, läßt sich vermuten, daß es sich um  Werkzeuge der ersten "Bürger" unserer Partnerstadt handelt, die hier siedelten. Aus der Bronzezeit wurden zudem sechs Armbänder gefunden.

Die Prähistorie endete mit der Erfindung der Schrift. Hier beginnt die eigentliche "Geschichte", was für unsere französischen Nachbarn bedeutet, sie beginnt mit den Galliern. Genau die berühmten "Gallier"! Dem einen fällt hier sicher sofort Julius Caesars "De Bello Gallico" ein, das keinem Lateinschüler vorenthalten bleibt. Hier beschreibt er seine Feldzüge gegen die wehrhaften Gallier, seine Schlachten und Siege, um damit im heimischen Rom Stimmen im Senat für sich zu gewinnen. Dem anderen jedoch fallen die streitsüchtigen aber liebenswerten Bewohner eines kleinen Dorfes ein, die sich als einzige noch gegen die römische Übermacht erfolgreich zur Wehr setzen, deren Abenteuer wir, Uderzo und Goscinny sei Dank, miterleben dürfen.

Im Gallischen nun existierte das Wort "Cleta", welches mit Gatter, Hürde oder Zaun umschrieben werden kann. Es wird vermutet, daß hier der Ursprung des Ortsnamens "Les Clayes" liegt. Vielleicht wurde in der Region überwiegend Viehwirtschaft betrieben, vielleicht wurde das Weideland umzäunt, sodaß der Ortsname aus dem alten gallischen Wort entstand.

Nach der Niederlage des gallischen Heerführers Vercingetorix, befand sich das Land fünf Jahrhunderte unter römischer Herrschaft. Aus dieser Zeit stammen gepflasterte Straßen, die im gesamten römischen Weltreich ein schnelles Vorankommen der Armeen sicherte. Eine dieser Straßen befand sich im Wald von Les Clayes, von der angenommen wird, daß sie die beiden Hauptstraßen von Paris (Lutetia) nach Chartres bzw. von Paris nach Mantes verband. Neben dem militärischen Zweck, wurden gerade die Straßen aus der Bretagne und der Normandie dazu benutzt, Vieh auf die Märkte von Saint-Germain-en-Laye und Poissy zu bringen. Von den Römern wurde unsere Partnerstadt damals "Clorac" genannt, wie aus historischen Schriften hervorgeht.



Im 4. und 5. Jahrhundert befand sich das römische Reich in einer großen Krise und konnte dem Druck barbarischer Völker nicht mehr standhalten. Am Unterlauf des Rheins schlossen sich auf römischen Gebiet die Franken zusammen. Einer dieser fränkischen Stämme, die Salier, breitete sich Stück für Stück im nördlichen Gallien aus, bis an die Loire.

Ende des 5. Jahrhunderts schlossen sich schließlich mehrere Frankenstämme unter dem König Clovis (481-511) zusammen. Die Eroberung des größten Teils Galliens und die Einigung der Franken unter einem König, machte die Merowinger, die Nachfahren des Clovis, zum stabilsten der damaligen Geschlechter.

Sie wurden erst 751 durch die Karolinger verdrängt. Das politische Ziel der Karolinger war es, den Staat durch die Wiedererrichtung des römischen Reiches zu erneuern. In der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts, schien das Vorhaben zu gelingen. Nach der Teilung des fränkischen Königreichs gehorchte eine riesige politische Einheit, zentralisiert um die Hauptstadt Aachen, einem einzigen Souverän, dessen Autorität sich auf ein Netz von Verwaltungsbezirken erstreckte, was 250 Grafschaften entsprach.

Ende des 9. Jahrhunderts waren es die Könige selbst aber, die die Aufteilung ihrer Macht betrieben, als sie den ihnen treuen Grafen Ländereien übertrugen. Zu dieser Zeit gelangte nun Simon de Cloyes in den Besitz der Ländereien von "Clais". Seine Verwandtschaft zu den beiden starken Familien der Herzöge von Montfort und der Herzöge von Neauphle und Chevreuse ermöglichten es, daß seine Nachfahren an der Seite ihrer Cousins an den großen Feldzügen dieser Zeit teilnahmen.

Von Kreuzfahrern und Weinbauern

Zu den großen Feldzügen des Mittelalters zählten natürlich die Kreuzzüge. So gilt es als sicher überliefert, daß die Familien der Herzöge von Montfort unter Philippe II  und Louis IX im 13. Jahrhundert ins Heilige Land zogen. Die Spur der Nachkommen des Simon de Cloyes verlieren sich jedoch zu dieser Zeit. Als einzige Begebenheit notierten die Historiker die Errichtung einer befestigten Anlage, von Simon 1118 begonnen, von seinem Bruder Renaud und schließlich von seinem Sohn Théon weitergeführt. Ein Teil der Fundamente wurde 1875 bei der Rekonstruk­tion der Friedhofsmauer entdeckt, ebenso wie ein vollständig erhaltenes Kellergewölbe. Diese Burganlage schloß direkt an die erste primitive Kirche des Ortes an, ob nun westlich oder öst­lich davon, darüber herrscht in den Schriften keine Einigkeit.  Die Familie des Simon de Cloyes blieb schließlich über zwei Jahrhunderte lang Lehnsherr des Dorfes.

Die Bevölkerungsentwicklung und Errungenschaften (wie die eiserne Pflugschar etwa) ließen die Urbarmachung der Erde um das heutige Les Clayes bis etwa 1230 rasch voranschreiten. Dieses geschah unter der Anleitung des Lehnsherren und wohl auch unter dem Einfluß des Klosters von Saint-Cyr, welches seit 1213 in Les Clayes ein Landhaus besaß. Der Boden der Gegend war sehr fruchtbar, wie in der ganzen "Ile-de-France", der Pariser Umgebung. Den Überlieferungen zufolge lag der Ertrag bei 8 zu 1, was bedeutet, daß für ein ausgesätes Korn acht Körner geerntet werden konnten, während in vielen anderen Gegenden Frankreichs nur ein Ertrag von 2 zu 1 erzielt wurde.

Sogar einige Weinhänge gab es. Bei Griechen und Römern sehr geschätzt, wurde in der Pariser Gegend bereits seit der gallisch-römischen Zeit Wein angebaut. Obwohl die Kirche "Ausschweifungen" befürchtete, mußte sie dennoch den Weinanbau fördern, da sie den Wein zur Abhaltung der Messe dringend benötigte. An diese Zeit erinnern noch einige Ortsnamen, wie z.B. "Clos-de-la-Petite-Ferme", was etwa Weinberg des kleinen Bauernhofes heißt oder der heute noch bestehende "Chemin des Vignes", der Weinbergweg.


Rainer Steinhauer

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